Iod ist ein nicht-metallisches Element (Ordnungszahl 53 im Periodensystem) aus der Gruppe der Halogene (Salzbildner). Der Name leitet sich vom griechischen Wort "ioeides" = veilchenartig ab und verweist auf die Entstehung violetter Dämpfe bei Erhitzung. Iod wurde erstmalig von dem französischen Chemiker Bernard Courtois (1777-1838) im Jahre 1812 als Element aus Asche von Seetang gewonnen.
Chemische Struktur von Polyvinylpyrrolidon-Iod-Komplex (PVP-Iod):

Iod ist nicht nur ein für den Menschen wichtiges Spurenelement, sondern wird auch wegen seiner antimikrobiellen Eigenschaften zur Antiseptik eingesetzt. Gegenüber der früher verwendeten reinen Jodtinktur, verfügt der moderne Povidon-Iod-Komplex (PVP-Iod), ein sogenanntes Iodophor, über eine wesentlich verbesserte Wirksamkeit und Verträglichkeit. In wässrigen Lösungen wirkt der Povidon-Iod-Komplex wie ein Iod-Depot. Es liegt nur etwa ein 1000stel des Gesamtiods für die mikrobizide Aktivität frei vor. Der Großteil ist als sogenanntes verfügbares Iod gebunden und stellt ein Reservoir für die Bereitstellung aktiven Iods dar. Bei Verschiebung des chemischen Gleichgewichtes – also bei Bedarf durch den Verbrauch von freiem Iod zu Desinfektionszwecken – wird zusätzliches Iod freigesetzt. PVP-Iod (1,0 – 1,3 % als freies Iod) hat eine schnelle und umfassende Wirkung gegenüber Bakterien, Mykobakterien, antibiotikaresistenten Bakterien, Hefepilzen und Dermatophyten. Gegenüber Schimmelpilzen und bakteriellen Sporen ist der Wirkungseintritt langsamer. Bislang liegen keine Berichte in der Literatur vor, die auf eine Resistenzbildung der Mikroorganismen gegenüber PVP-Iod hinweisen.
Der Wirkungseintritt erfolgt auch bei niedrigen Konzentrationen sehr schnell. Molekulares Iod ist in der Lage, in Mikroorganismen einzudringen und dort mit zellulären Bestandteilen zu reagieren. Aufgrund der starken oxidativen Wirkung reagiert molekulares Iod sehr schnell mit freien Hydroxygruppen (-OH) und freien Thiolgruppen (-SH) von Aminosäuren und ungesättigten Fettsäuren. Dies führt zu einer Zerstörung der räumlichen Strukturen und der damit einhergehenden Funktionen von Proteinen und anderen Bausteinen der Zellen. Diese Reaktionen mit den zellulären Bestandteilen der Mikroorganismen führen schließlich zum Tod der Mikroorganismen.
Gebrauchsfertige, standardisierte PVP-Iod-Lösungen werden vor allem zur Antiseptik von Haut- und Schleimhäuten, zur präoperativen Antiseptik und für Wundspülungen eingesetzt. Povidon-Iod-Präparate können auf Wunden, sowie auf das umliegende Hautgewebe direkt aufgetragen werden.
Die Anwendung von PVP-Iod darf nicht erfolgen bei Patienten, die an einer Schilddrüsenüberfunktion oder einer anderen bestehenden Schilddrüsenerkrankung leiden.