Alkohole bestehen aus linearen oder verzweigten Kohlenwasserstoff-Ketten mit ein oder mehreren OH-Gruppen. Sind in einem Molekül mehr als eine OH-Gruppe chemisch gebunden, handelt es sich um einen mehrwertigen Alkohol. Ethandiol (Ethylenglycol) besitzt im Molekül zwei OH-Gruppen und ist ein zweiwertiger Alkohol, Propantriol (Glycerin) als dreiwertiger Alkohol hat drei OH-Gruppen. Der Name des jeweiligen Alkohols wird aus dem molekularen Grundgerüst der vergleichbaren Alkane gebildet und erhält die Endung -ol.
Chemische Struktur von Ethanol, 1-Propanol und 2-Propanol:



Alkohole verfügen über ein breites antimikrobielles Wirkungsspektrum, sind leicht flüchtig, rasch wirksam, wenig toxisch und lösen nur in seltensten Fällen Allergien aus und führen nicht zu Resistenzen. Das Wirkungsspektrum der Alkohole umfasst Bakterien, Pilze sowie behüllte und unbehüllte Virusarten – abhängig von der Rezeptur der jeweiligen alkoholischen Gebrauchslösung. Bakteriensporen bleiben jedoch unbeeinflusst. Die Desinfektionswirkung ist bei Alkoholen mit einer längeren Kohlenstoffkette deutlich größer und erreicht bei sechs Kohlenstoffatomen ihr Maximum. Aufgrund ihrer Wasserlöslichkeit werden in der Desinfektion heute nur Ethanol, n-Propanol und Isopropanol als Wirkstoffe eingesetzt. Die in der Desinfektion eingesetzten Gebrauchslösungen weisen unterschiedliche Alkoholkonzentrationen auf, z. B. Ethanol > 70% v/v, n-Propanol > 50 % v/v und Isopropanol > 60 % v/v. Durch Zusatzstoffe kann die Wirkung der Alkohole verstärkt, bzw. deren Hautverträglichkeit erhöht werden. Alkohole sind leicht flüchtig und brennbar. Bei der Anwendung alkoholischer Desinfektionsmittel müssen für die Lagerung deshalb die Sicherheitsregeln zur Vermeidung von Brand- und Explosionsgefahr beachtet werden. Trotz der hervorragenden Wirksamkeit gegen Mikroorganismen sind Alkohole schnell und vollständig biologisch abbaubar.
Alkohole verfügen über einen unspezifischen Wirkmechanismus: Die Alkoholmoleküle schädigen die äußere Zellmembran, dringen in das Zytoplasma ein und zerstören die innere Struktur der Zellmoleküle und der Proteine des Zytoplasmas. Dieser, Denaturierung genannte, Vorgang und die Koagulation von Enzymen führen zu einem Verlust der zellulären Aktivität und schließlich zum Zelltod.
Alkohole spielen heute in der Industrie z. B. als Konservierungsstoffe und Lösungsmittel eine große Rolle. In der Desinfektion werden Alkohole aufgrund ihrer schnellen Wirkung und ihrer Haut- und Materialverträglichkeit vorwiegend zur Haut- und Händedesinfektion sowie zur alkoholischen – Schnelldesinfektion kleinerer Flächen eingesetzt.